the esli campaign interview

Dirk Lohse, seit knapp 4 Jahren gibt es die Marke dirklohse. Weshalb haben Sie sich
für diesen Weg entschieden?

Ich hatte wohl schon früh eine Affinität für Holz. Viele attestierten mir auch schon in der Schule
eine gewisse Kreativität. Weil meine Schulzeit nicht die glücklichste war, habe ich mich für eine
Ausbildung im Tischlerhandwerk entschieden. Im Grunde habe ich schnell gemerkt, dass diese
nicht meinen Vorstellungen entsprach. Besonders toll war die Zeit nicht, gelernt habe ich fachlich
und zwischenmenschlich sehr viel. Den Einsatz von Holz, sowohl in Räumlichkeiten als auch bei
einzelnen Möbeln, habe ich früh angefangen zu hinterfragen. Holz inflationär einzusetzen hat
meiner Vorstellung noch nie entsprochen. Holz ist so charakteristisch und besonders, meiner
Auffassung nach hat es mehr Aufmerksamkeit verdient. Es sollte dementsprechend bewusst
eingesetzt werden. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse sind meine ersten Entwürfe entstanden.
Die Idee einer eigenen Marke kam mit 17, losgelassen hat mich diese Idee nie mehr. Es war für
mich immer klar, diesen Weg zu gehen. Ich habe über einige Stationen nun auch diesen
eingeschlagen.

Warum ist Ihnen die Schulzeit nicht gut in Erinnerung geblieben?

Mein Interesse mit dem Strom zu schwimmen hat sich schon immer in engen Grenzen gehalten.
Deshalb war ich nicht der Beleibteste, wurde nie richtig verstanden. Was genau die Anderen
gestört hat, ist mir im Grunde egal gewesen. Mit einigen Jahren Abstand und dem Wissen von
heute, hätte es mich gewundert wenn wir uns verstanden hätten.

Um auf Ihre Produkte zu kommen, entstehen diese am Schreibtisch?

Das kann schon mal passieren. Also ich würde sagen, der Prozess ist oft ziemlich lang. Die
Produkte entstehen über Monate an verschiedenen Orten. Der Schreibtisch ist schon auch ein
wichtiger Ort, aber eher für die finalen Steps. Hier passieren auch die weniger spektakulären
Dinge, schließlich kann ich mich nicht von der Bürokratie befreien lassen.

Wie sieht üblicherweise der Entwurfsprozess aus?

Das Wort üblich existiert nicht in meinem Wortschatz. Es gibt keinen Ablauf, keine Vorgabe oder
gar Vorlage. Es ist immer frei von Allem. Es dauert manchmal einige Tage, manchmal einige
Monate. Oft wandert ein Entwurf auch für einige Zeit in die Schublade. Falls dieser mir nochmal
in den Sinn kommt, wird er überarbeitet oder finalisiert. Es beginnt mit einer Idee in meinem Kopf,
diese wird anschließend auf Papier gebracht. Später entsteht dann meistens eine Visualisierung
am Computer, individuell abhängig vom Produkt. Es gibt allerdings immer ein Prototyp, mein
persönliches Highlight. Da hat man das erste Mal was in der Hand. 30 Prozent von dem was ich
sehe, sehe ich mit meinen Händen.

 

„Ich mag Linien, tagsüber sehe ich sie, nachts weiß ich von ihnen“

 

Ist Ihre Marke eine “One-Man-Show“?

Nicht ganz! Ich habe ein tolles Team, allerdings ausschließlich extern. Mich reizt es mehr mit
Leuten situativ zu arbeiten. Ich habe einen tollen Menschen für das Online Marketing, einen
fantastischen Steuerberater und dazu einen Partner für den Online Shop. Ganz viele
faszinierende Leute mit denen es Spaß macht, neue Ziele zu erreichen. Ich habe gelernt, dass
es effizienter ist, Leute projektbezogen zu beschäftigen. Das habe ich mit meiner ersten Firma
schon so gemacht.

Welche Rolle spielt Qualität für Sie?

Qualität ist die Basis. Angesichts der Tatsache, dass wir in einer Wegwerfgesellschaft leben,
spielt die Qualität eine noch viel größere Rolle. Ein Möbel oder ein Produkt kann sich nur durch
Qualität beweisen, somit zu einem Begleiter werden, einem Begleiter fürs Leben. Ich finde es
super, wenn Leute mit ihren Möbeln mehrmals umziehen und diese danach noch vererben
können. Meiner Auffassung nach ist es ein Privileg, Möbel aus einer anderen Generation zu
besitzen. Die Materialauswahl ist ein sehr wichtiger Faktor. Materialen ermöglichen unfassbar viel.
An dieser Stelle ist nachhaltiges Denken gefordert. Viele Rohstoffe sind begrenzt, viele können
nur mit enormen Aufwand und ebenso hohen Kosten halbwegs umweltfreundlich entsorgt
werden. Dies sollte man der Gesellschaft bewusst machen bevor sie kaufen. Ich halte es im
Zeitalter der Digitalisierung für grob fahrlässig, den folgenden Generationen “echte Materialen“
vorzuenthalten. Kinder sollten wissen wie sich echtes Holz anfühlt. Um Wertempfinden zu
schaffen müssen Kinder hier lernen zu unterscheiden.

 

“Holzreproduktion ist eine Form von Charakterschwäche“

 

Wenn Sie sich mit Kollegen vergleichen, was unterscheidet Sie und Ihre Produkte von
den anderen?

Ich vergleiche mich nicht mit Kollegen, das können andere übernehmen. Meine Produkte, nun
ich denke die Herangehensweise dürfte einen Unterschied machen. Ich habe meine Wurzeln im
Handwerk und danach viel Zeit mit den technischen Aspekten im Bereich Holz verbracht.
Manchmal denke ich, dass diese Punkte meine Herangehensweise beeinflussen. Ich betrachte
vielleicht schon früher die technische Umsetzung einer Konstruktion. Regeln und Trends
interessieren mich nicht.

Haben Sie Vorbilder?

Ich finde das Wort Vorbild schrecklich. Ich habe kein Vorbild und möchte auch keins sein.

Anders gefragt, wer inspiriert Sie?

Mich inspiriert viel, es muss nicht zwingend eine Person sein. Im Grunde fotografiere ich viele
Inspirationen. Landschaften, Details und Formen. Vieles davon finde ich in Büchern. Ich habe
einen Tisch auf dem einige Bücher offen liegen. Während ich jeden Morgen meinen Espresso
trinke, blättere ich in diesen. Es sind Bücher über Kunst, Fotografie und Architektur.
Ich arbeite gerne aus den Cafés rund um den Opernplatz in Frankfurt. Wichtig ist es, seinen
Kunden zu kennen. Ich stelle mir oft meinen Kunden, in seiner Wohnsituation vor und positioniere
dort mein Produkt. Das ist Teil des Prozesses. An dieser räumlichen Vorstellung arbeite ich
täglich, um immer besser darin zu werden. In meinen Kopf sind ganz viele Konzepte, diese auf
Papier zu bringen ist meine Aufgabe.

Ist für die Zukunft eine Zusammenarbeit mit einem anderen Designer geplant?

Es gibt einige Gespräche, für 2019 sind bisher zwei Kollaborationen geplant. Ich finde es
unfassbar stimulierend etwas mit anderen Menschen zu erschaffen. Für die neue Kollektion
arbeite ich unter anderem mit einem Künstler aus Berlin zusammen. Der Kontakt kam über einen
guten Freund zustande, eher zufällig. Bei unserem ersten Gespräch waren wir direkt auf einer
Wellenlänge, ich glaube es wird fantastisch.

Wie wichtig ist Ihnen der Online Auftritt der Marke dirklohse?

Nun, ich denke in unserer Zeit ist es eine Möglichkeit, die man nutzen sollte. Einige sollten sie
mehr, einige weniger nutzen. Es ist wichtig, die richtige Mischung zu finden. Ich finde es toll
meine Ansätze, meine Produkte und Philosophie dort zu präsentieren. Social Media ist nicht
alles, ganz im Gegenteil. Optik ist in Social Media evtl. darstellbar, Haptik nicht. Materialen kann
man sehen, aber man sollte sie eben auch anfassen. Meiner Auffassung nach passiert dies viel
zu selten. Wie man als Kind in Deutschland lernt “nur gucken nicht anfassen“.

Wo sehen Sie sich in einigen Jahren?

Eine schwere Frage, wirklich schwer. Jeder sollte in seinem Leben Ziele haben. Ich habe noch
nie gehört, dass Ziele einem geschadet haben. Ich arbeite auf mein eigenes Designbüro hin. Ein
Raum voll mit Materialen, Mustern, Prototypen, Zeichnungen und der nötigen Ruhe.

 

H. Yoon, Frankfurt, 27.02.2019

 

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